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Deutsche und österreichische Weinbezeichnungen: Deine Guideline

Deutsche und österreichische Weinbezeichnungen einfach erklärt

Deutsche und österreichische Weinbezeichnungen: Deine Guideline

Erfahre, was DAC, GG, Smaragd, Kabinett, Spätlese und Trockenbeerenauslese bedeuten.

Warum wirken deutsche und österreichische Weinbezeichnungen verwirrend?

Wer in der Weinbranche arbeitet, kennt diese Situation wahrscheinlich.

Ein Gast nimmt eine Flasche deutschen oder österreichischen Wein in die Hand und fragt:

  • Was bedeutet GG?
  • Was ist der Unterschied zwischen Smaragd und DAC?
  • Ist ein Spätlesewein süß oder trocken?

Die Antwort darauf kann schnell mehrere Minuten in Anspruch nehmen.

Der Grund ist einfach: Deutschland und Österreich verwenden Weinbezeichnungen, die sich teilweise deutlich von den Systemen unterscheiden, die wir aus Ländern wie Italien oder Frankreich kennen.

Zusätzlich erschwert wird die Einordnung dadurch, dass gesetzlich geregelte Herkunfts- und Qualitätsbezeichnungen neben Klassifikationen privater Winzervereinigungen bestehen.

Wer die heutige Weinlandschaft im deutschsprachigen Raum verstehen möchte, sollte deshalb wissen, wie sich die Weingesetzgebung und die verschiedenen Klassifikationssysteme im Laufe der Zeit entwickelt haben.

Warum sind die Weinbezeichnungen in Italien und Frankreich leichter zu verstehen?

In traditionellen Weinbauländern wie Italien, Frankreich und Spanien spielt die geografische Herkunft eine zentrale Rolle bei der Einordnung von Weinen.

Die Grundidee dahinter: Das Terroir prägt die Identität eines Weins. Je genauer seine Herkunft definiert ist, desto präziser lässt sich seine regionale Identität einordnen.

Bezeichnungen und Klassifikationen wie:

  • [DOC:] Denominazione di Origine Controllata
  • [DOCG:] Denominazione di Origine Controllata e Garantita
  • [AOC:] Appellation d’Origine Contrôlée
  • Premier Cru
  • Grand Cru

folgen diesem Grundgedanken, auch wenn sie sich in ihrer rechtlichen Bedeutung und ihren konkreten Anforderungen unterscheiden.

Im Burgund beispielsweise bezeichnet Grand Cru eine besonders hoch eingestufte Herkunft innerhalb der regionalen Klassifikation. Premier Cru bildet eine weitere, darunterliegende Stufe.

Dabei ist wichtig: Die genaue Bedeutung und die Kriterien unterscheiden sich je nach Region und Klassifikationssystem.

Das gemeinsame Prinzip ist jedoch, dass die geografische Herkunft eine wesentliche Rolle bei der Einordnung des Weins spielt. Die gesetzlichen Herkunftsbezeichnungen sind dabei in den jeweiligen Regelwerken verankert. Begriffe wie Premier Cru und Grand Cru sind hingegen nicht in allen Weinregionen nach einem einheitlichen Schema definiert.

Warum unterscheiden sich die Weinbezeichnungen in Deutschland und Österreich?

Deutschland und Österreich haben im Vergleich zu Ländern wie Italien oder Frankreich historisch andere Schwerpunkte bei der Klassifikation von Wein entwickelt.

Insbesondere im germanischen Weinrecht spielte lange Zeit der Reifegrad der Trauben bei der Lese eine zentrale Rolle. Ein wichtiges Kriterium war und ist dabei das Mostgewicht, also die Dichte des Traubenmosts als Maß für seinen Gehalt an gelösten Stoffen, insbesondere Zucker.

Aus dieser Tradition stammen die sogenannten Prädikatsstufen:

  • Kabinett
  • Spätlese
  • Auslese
  • Beerenauslese
  • Trockenbeerenauslese
  • Eiswein

Diese Bezeichnungen beschreiben gesetzlich definierte Anforderungen an die Trauben beziehungsweise die Herstellung des Weins. Sie beziehen sich unter anderem auf den Reifegrad, das Mostgewicht und - je nach Prädikat - besondere Anforderungen an die Auswahl oder Beschaffenheit der Trauben.

[Wichtig: Ein Prädikat sagt nicht automatisch aus, wie süß der fertige Wein schmeckt.] Kabinett und Spätlese können beispielsweise trocken, halbtrocken oder lieblich ausgebaut sein, sofern die jeweiligen rechtlichen Anforderungen erfüllt werden. Beerenauslese und Trockenbeerenauslese sind dagegen typischerweise edelsüße Weine.

Die Prädikatsstufen geben auch keine unmittelbare Auskunft über die Qualität oder Klassifikation eines einzelnen Weinbergs.

Mit dem zunehmenden Interesse am Terroir und an der Bedeutung einzelner Lagen haben viele Winzer begonnen, die geografische Herkunft stärker in den Mittelpunkt zu stellen.

Daraus sind ergänzende Bezeichnungsmodelle entstanden, die nicht allein auf den Reifegrad der Trauben, sondern insbesondere auf Herkunft, Lage und deren Qualitätspotenzial fokussieren.

Heute existieren in Deutschland und Österreich unterschiedliche Ansätze nebeneinander: Einerseits gesetzlich geregelte Bezeichnungen, andererseits zusätzliche Klassifikationen von Winzervereinigungen.

Was genau wirkt also verwirrend?

Eine der größten Herausforderungen besteht darin, dass nicht alle Weinbezeichnungen nach demselben Prinzip funktionieren oder rechtlich denselben Status haben.

Neben den gesetzlichen Regelungen gibt es private Vereinigungen, die eigene Kriterien für die Einordnung von Weinen festlegen. Diese gelten grundsätzlich für ihre Mitglieder und die Weine, die nach den jeweiligen Verbandsregeln klassifiziert werden.

In Österreich spielen insbesondere folgende Systeme und Vereinigungen eine Rolle:

  • [DAC – Districtus Austriae Controllatus] Gesetzlich geregelte Herkunftsbezeichnung für österreichische Qualitätsweine aus bestimmten Weinbaugebieten, jeweils mit gebietsspezifischen Anforderungen.
  • [Vinea Wachau Nobilis Districtus] Winzervereinigung aus der Wachau mit einem eigenen Herkunfts- und Qualitätssystem. Bekannt sind insbesondere die Bezeichnungen Steinfeder, Federspiel und Smaragd.
  • [ÖTW - Österreichische Traditionsweingüter] Vereinigung, die sich unter anderem der Klassifikation bedeutender Weinlagen widmet und dafür ein eigenes System entwickelt hat.
  • [STK - Steirische Terroir- und Klassikweingüter] Vereinigung steirischer Weingüter mit eigenen Qualitäts- und Herkunftskriterien.

[In Deutschland existiert neben dem gesetzlichen Weinrecht die zusätzliche Klassifikation des ][VDP – Verband Deutscher Prädikatsweingüter] .

[Der VDP ist eine private Vereinigung von Weingütern, die ein eigenes, herkunftsorientiertes Klassifikationsmodell verwendet. Es umfasst die Kategorien Gutswein, Ortswein, Erste Lage und Große Lage. Für trockene Weine aus Großen Lagen wird die Bezeichnung ][Grosses Gewächs (GG)] verwendet, sofern die entsprechenden Verbandsregeln erfüllt sind.

Das bedeutet: Zwei Weine aus derselben Region können nach unterschiedlichen Systemen gekennzeichnet sein und verschiedenen Klassifikationsregeln unterliegen.

Ein anschauliches Beispiel ist das Weingut FX Pichler aus der Wachau.

Das Weingut verwendete früher die Klassifikationen der Vinea Wachau mit den Bezeichnungen:

  • Steinfeder
  • Federspiel
  • Smaragd

Später verließ das Weingut die Vereinigung und orientierte sich bei der Kennzeichnung seiner Weine an anderen Herkunfts- und Klassifikationsregeln.

Das Beispiel zeigt, dass Klassifikationen von Vereinigungen nicht mit den gesetzlichen Herkunftsbezeichnungen gleichzusetzen sind. Ein Weingut kann seine Verbandszugehörigkeit ändern, ohne dadurch automatisch seine geografische Herkunft zu verändern.

Für Konsumenten wird die Einordnung dadurch allerdings anspruchsvoller: Um die Bedeutung einer Bezeichnung richtig zu verstehen, muss man wissen, auf welchem Regelwerk sie beruht.

[Und wie sieht es bei deutschen und österreichischen Süßweinen aus?]

Bei Prädikatsweinen lässt sich das System oft leichter nachvollziehen, da die gesetzlichen Kategorien klar definierte Anforderungen vorgeben.

Zu den bekanntesten Prädikaten in Deutschland gehören:

  • Kabinett
  • Spätlese
  • Auslese
  • Beerenauslese
  • Trockenbeerenauslese
  • Eiswein

Diese Bezeichnungen sind gesetzlich geregelt und beziehen sich auf bestimmte Anforderungen an die Trauben und ihre Verarbeitung. Dazu gehören beispielsweise Mindestmostgewichte sowie bei einzelnen Prädikaten besondere Anforderungen an die Auswahl oder Beschaffenheit der Trauben.

[Dennoch ist eine wichtige Unterscheidung notwendig: ] Prädikat und Geschmacksrichtung sind nicht dasselbe.

Ein Kabinett oder eine Spätlese kann trocken ausgebaut sein. Beerenauslese und Trockenbeerenauslese sind hingegen klassische Kategorien für edelsüße Weine.

Auch Eiswein folgt besonderen gesetzlichen Anforderungen, insbesondere hinsichtlich der Verarbeitung gefrorener Trauben.

Die eigentliche Verwirrung entsteht häufig bei trockenen Weinen. Hier treffen gesetzliche Qualitäts- und Herkunftsbezeichnungen auf zusätzliche Klassifikationen privater Vereinigungen.

In Deutschland kann ein Wein beispielsweise sowohl eine gesetzliche Prädikatsbezeichnung als auch eine VDP-Klassifikation tragen. Beide Angaben folgen unterschiedlichen Regeln und erfüllen unterschiedliche Funktionen.

In Österreich begegnen Weinliebhaber wiederum Bezeichnungen wie DAC, Smaragd, ÖTW oder STK. Diese lassen sich nicht einfach auf eine einzige, allgemein gültige Qualitätspyramide übertragen, da sie unterschiedliche Systeme und Kriterien repräsentieren.

Gibt es eine Lösung für die unterschiedlichen Weinklassifikationen?

In den vergangenen Jahrzehnten haben zahlreiche Winzer und Weinbauorganisationen daran gearbeitet, die geografische Herkunft stärker in den Mittelpunkt der Weinbewertung zu stellen.

Die Herkunft soll dabei nicht nur das Weinbaugebiet, sondern zunehmend auch kleinere geografische Einheiten und einzelne Weinlagen differenzieren.

Klassifikationssysteme wie jene des VDP in Deutschland und der ÖTW in Österreich greifen diesen Ansatz auf. Sie betonen die Bedeutung der Herkunft und der Qualität einzelner Lagen.

Vergleiche mit den französischen Kategorien Premier Cru und Grand Cru können dabei helfen, die Grundidee zu verstehen. Allerdings sind die Systeme nicht direkt miteinander gleichzusetzen: Ihre Kriterien, rechtlichen Grundlagen und geografischen Bezugspunkte unterscheiden sich.

Auch Südtirol ist in diesem Zusammenhang interessant.

Die Region verfügt bereits über die gesetzlich geregelte Herkunftsbezeichnung Südtirol DOC beziehungsweise Alto Adige DOC. Mit zusätzlichen geografischen Herkunftsangaben, darunter den sogenannten UGA (Unità Geografiche Aggiuntive), wird daran gearbeitet, die Herkunft bestimmter Weine genauer zu definieren. Daneben existieren bereits die gesetzlich geregelten Vigna-Angaben für Weine aus entsprechend ausgewiesenen Weinbergen, sofern die jeweiligen Voraussetzungen erfüllt sind.

Das übergeordnete Ziel solcher Entwicklungen ist es, die geografische Herkunft präziser abzubilden und Konsumenten eine bessere Orientierung zu ermöglichen.

Dabei kommt es darauf an, zusätzliche Informationen verständlich zu vermitteln, ohne das ohnehin komplexe System unnötig zu verkomplizieren.

Was sollten Weinprofis ihren Gästen erklären?

Für Sommeliers, Gastronomen und Weinfachhändler ist es oft wenig hilfreich, Gästen sämtliche Abkürzungen und Klassifikationsstufen im Detail zu erläutern.

Entscheidend ist vielmehr, die Informationen verständlich zu vermitteln, die für die Kaufentscheidung tatsächlich relevant sind.

Drei Fragen helfen dabei:

  • [Woher kommt der Wein?] Die Herkunft gibt Hinweise auf die Region, das Terroir und die typischen Eigenschaften des Weins.
  • [Welchen Stil kann ich erwarten?] Faktoren wie Rebsorte, Ausbau, Restzucker und Säure helfen dabei, den Geschmack einzuordnen.
  • [Was macht diesen Wein besonders?] Eine charakteristische Lage, die Arbeit des Winzers oder die besonderen Bedingungen eines Jahrgangs können seine Individualität erklären.

Wer diese Fragen beantworten kann, hilft Gästen dabei, Weine besser zu verstehen und eine fundierte Entscheidung zu treffen.

Denn letztlich geht es bei einer guten Weinberatung nicht darum, möglichst viele Abkürzungen zu kennen. Es geht darum, die richtige Flasche für den jeweiligen Gast zu finden.

Cheers 🍷

Dieser Blog wurde in Zusammenarbeit mit Pretzhof Selection erstellt.